Login | Home | Kontakt | Impressum

Kreditklemme

Der Wert einer guten Planung wird unterschätzt.

In der zweiten Jahreshälfte 2009 haben sich die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen in Europa verschlechtert. Laut einer Umfrage der Europäischen Zentralbank bei 5000 mittleren und kleineren Unternehmen beklagten 43 Prozent einen schlechteren Zugang zu Krediten. 18 Prozent der Unternehmen mussten in der zweiten Jahreshälfte eine Ablehnung hinnehmen gegenüber zwölf Prozent im ersten Halbjahr. Branchenberater empfehlen Firmen eine professionelle Unternehmensplanung.

Auch die deutsche Druckindustrie leidet unter erschwerten Bedingungen bei der Kreditvergabe, bestätigen die Hamburger Branchenberater Apenberg + Partner. Wer die Gründe für eine Kreditabsage allein in der eigenen Bilanz vermutet, liegt jedoch falsch.
 „Intransparente und unprofessionelle Unternehmensplanungen“ sind nach Meinung von Michael Apenberg, Print Business Consultant, die Hauptursachen für eine Ablehnung bei kleinen und mittleren Unternehmen.
 „Dabei gibt es einfache und kostengünstige Hilfsmittel, die auch kleineren Unternehmen einen professionellen Auftritt bei den Banken ermöglichen“, sagt Jörn Dreessen, Leistungs- und Finanzcontroller bei den Hamburger Branchenspezialisten und verweist auf entsprechende Management-Informations-Systeme (MIS), die auf Basis der vorhandenen Finanzbuchhaltung oder Branchensoftware einfach und schnell professionelle Berichte generieren. Was oftmals nur in tagelanger Detailarbeit zu erledigen sei, erledige MIS auf Knopfdruck.

Fest steht: Ein unprofessionelles Berichtswesen wird von Banken nicht mehr akzeptiert und belastet das Vertrauensverhältnis zwischen dem Banker und dem Unternehmer. „Leider erhalten die Unternehmer in den wenigsten Fällen eine „ehrliche“ Kreditabsage von den Banken“, so die Erfahrung von Michael Apenberg. Sein Unternehmen ist eine der führenden Managementberatungen der Printmedien und der Druckindustrie und berät seit 20 Jahren Druckunternehmer und Verleger. Bis heute wurden für rund 250 Klienten mehr als 700 Beratungsprojekte durchgeführt.

Professionelle Berater erstellen für eine mittelgroße Druckerei in einem überschaubaren Zeitrahmen ein branchentaugliches Berichtswesen. Apenberg + Partner braucht dazu nach Eigenaussage in Zusammenarbeit mit der Corporate Planning AG vier Wochen. Das Berichtswesen umfasse in der Regel die Bereiche Ergebnisrechnung, Liquiditätsplanung, Vertriebscontrolling und für die Produktion ein Leistungscontrolling. Darüber hinaus sei es möglich, das Reporting für Gesellschafter, Abteilungsleiter und der Hausbank ohne großen Aufwand an die individuellen Informationsbedürfnisse anzupassen.

Eine plausible, nachvollziehbare und transparente Unternehmensplanung ist für den Erfolg eines Unternehmens elementar wichtig und stellt die Weichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Einer Unternehmensplanung hat immer eine Analyse vorauszugehen, die den Ist-Zustand berücksichtigt und mögliche Potenziale aufdeckt. In der Unternehmensplanung sind alle für das relevante Unternehmen zukünftigen Situationen und Entscheidungen zu berücksichtigen.

Wie die neusten Umsatzzahlen 2009 des Statistischen Bundesamtes belegen, braucht die Druckindustrie den Vergleich mit anderen Branchen nicht zu scheuen. Während das verarbeitende Gewerbe in Deutschland einen Umsatzeinbruch von 20,4 Prozent zu verkraften hatte, gingen die Umsätze in der Druckindustrie, bei den Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern, „lediglich“ um 7,3 Prozent zurück. Damit steht die oftmals zu Unrecht gescholtene Druckindustrie deutlich besser dar, als manche Bankengespräche dies vermuten lassen.

www.apenberg.de

Haftungsmanagement

Unter Druck

Mindestens 95 Prozent der deutschen Druckereien verfügen nicht über ein Haftungsmanagement. Zu diesem Ergebnis kommt die Frankfurter Solidargemeinschaft der Druck- und Metall verarbeitenden Industrie (SDI). Der unabhängige Unternehmensverbund ist seit 15 Jahren auf das Finanz- und Risikomanagement dieser Branchen spezialisiert. Die Experten wissen um die Probleme, wenn im Schadensfall nicht gezahlt wird.

In der Praxis zeige sich immer wieder, dass Versicherungen im Schadenfall keine Veranlassung sehen für entstandene Schäden aufzukommen. „Zu Recht, denn viele Schäden sind auf ein fehlendes Haftungsmanagement zurückzuführen“, sagt SDI-Gründer und Vorstandsvorsitzender Oliver Schaeben. Die meisten Unternehmen haben zwar eine Betriebs- und eine Produkthaftpflicht-Versicherung abgeschlossen, wissen aber nicht, was sie selbst dazu leisten müssen, damit der Versicherer auch zahlt. „Die meisten wissen nicht, dass sie überhaupt Vorsichtsmassnahmen ergreifen müssen, um im Schadenfall auch wirklich geschützt zu sein. Das sagt ihnen niemand“, so Schaeben.

Die  1995 gegründete „Solidargemeinschaft der Druck- und Metall verarbeitenden Industrie ist ein Zusammenschluss von Unternehmen ausschließlich aus diesen beiden Branchen. Ziel des eingetragenen Vereins ist die Kostenoptimierung bei der Ausgestaltung der betrieblichen Versicherungen, des Finanzmanagements und der privaten Vorsorge. Dabei berät die SDI ihre über 300 angeschlossenen Mitgliedsunternehmen sowie auch Nichtmitglieder neutral und unabhängig von den Interessen der Versicherungen, Banken und Leasinggesellschaften. Im Mittelpunkt der Beratung stehen immer die besonderen Anforderungen der Druck- und Metall verarbeitenden Industrie.

Eine unterlassene Schadenprävention gebe dem Versicherer eine Reihe von Ansatzpunkten, dem Versicherungsnehmer Fehler vorzuwerfen, die eine Deckung ausschließende Wirkung haben können. Ob bei der Druckvorbereitung ein fehlerhaft bearbeitetes Bild an den Drucker gegeben oder eine zu flüssige Farbe verwendet wird, Lacke nicht richtig ausgehärtet sind oder Druckmaschinen fehlerhaft gesteuert werden – der Produktionsprozess steckt voller Risiken.

Mit einem professionellen Haftungsmanagement lassen sich solche Risiken aus-schließen und Fehler vermeiden. Der Begriff „Haftungsmanagement“ umschreibt die Maßnahmen, die der Betrieb ergreift, um gegen ihn gerichtete Ansprüche zu verhindern oder zu vermindern und eigene Ansprüche, etwa gegen Lieferanten oder Versicherer, zu sichern. Die Anzahl der Betriebe, die solche Maßnahmen ergreifen, ist allerdings verschwindend gering. Von den fünf Prozent, die aktiv Haftungsmanagement praktizieren – bei insgesamt 11.000 Druckbetrieben sind das etwa 550 Betriebe - sind die meisten Großunternehmen. Bei den kleinen und mittleren Betrieben, die von den Folgen der Haftungsausschlüsse besonders bedroht sind, ist ein aktives Haftungsmanagement bisher faktisch nicht vorhanden.

Hitparade der Ablehnungen
In der Regel werden Verträge und Haftungsvereinbarungen der Auftraggeber „blind“ unterschrieben. „Zuviel Vertrauen kann ein Unternehmen die Existenz kosten“, sagt Schaeben und fasst die Ausschlusskriterien der Versicherungen aus seiner Praxiserfahrung in einer „Hitparade der Ablehnungen“ zusammen. Auf Platz eins rangiert „mangelnde Erprobung“. Der Produzent kann die ausreichende Erprobung seiner Produkte nicht nachweisen, heißt die häufigste Begründung der Versicherungen. Mangelnde Erprobung wird in den allgemeinen Versicherungsbedingungen grundsätzlich ausgeschlossen.

An zweiter Stelle folgt das „Handeln wider besseres Wissen“. Qualitäts-Management-Systeme bei ISO-Zertifizierten Unternehmen etwa legen fest, was zu tun gewesen wäre und geben dem Richter das Argument, gegen schriftliche Vereinbarungen verstoßen zu haben. Qualitätsmanagement führt zur Haftung, weil es die Fehler offensichtlich macht. An dritter Stelle steht die „eigenmächtig gegebene Garantie“. Die aber widerspricht oft den Vertragsklauseln mit der Versicherung. 

„Qualitätssicherungs- und Haftungsvereinbarungen mit Kunden gehen häufig über die gesetzliche Haftung hinaus und beseitigen somit den Versicherungsschutz“, warnt Schaeben. Und sie sind kein Einzelfall. Die Qualitätssicherungsvereinbarungen der Kunden sind regelmäßig deckungsschädlich. Doch nicht nur Kundenvereinbarungen gefährden den Versicherungsschutz des Auftragnehmers. Auch Zulieferer können einem Unternehmen zum Verhängnis werden. So „verursachte“ eine Druckerei bei einem Auftragswert von 10.000 Euro einen Schaden von 4,5 Millionen Euro.

Die Druckerei hatte für die Bedruckung von Medikamentenschachteln Farbe nachbestellt. Weil zu wenige Pigmente enthalten waren, veränderte sich die Farbzusammensetzung. Die Packungsaufschrift verblasste, so dass wichtige Daten nicht mehr gelesen werden konnten. Der Versicherer berief sich hierbei auf mangelnde Erprobung. Die Versicherung der Druckerei zahlte am Ende dennoch, weil der SDI-Vertrauensanwalt sie davon überzeugen konnte, dass kein Haftungsausschluss vorlag. Somit konnte die ansonsten sichere Insolvenz der Druckerei abgewendet wenden. Weil solche Großschäden bei weitem die finanziellen Kräfte mittelständischer Betriebe übersteigen, sieht Oliver Schaeben daher akuten Handlungsbedarf.

Qualitätsmanagement ist auch Haftungsmanagement
„Viele Betriebe haben bereits ein Qualitäts-Management-System integriert. Aber das reicht nicht, um einen Haftungsausschluss zu vermeiden, ganz im Gegenteil“, macht Schaeben deutlich. Qualitätsmanagement verhindert oder vermindert zwar einen Großteil der betrieblichen Produktions- und Produktmängel, macht aber ein Haftungsmanagement umso dringlicher. Denn im Haftungsprozess ist ein Qualitätsmanagement eher dazu geeignet, eine Haftung dadurch zu begründen, dass es ja Auskunft darüber gibt, was zur Verhinderung des Schadens zu tun gewesen wäre.

Bei einer im Schadenfall unterlassenen Schadensprävention gibt gerade die Existenz eines Qualitätsmanagements dem Versicherer eine ganze Reihe von Ansatzpunkten, dem Versicherungsnehmer solche Fehler vorzuwerfen, die eine Deckung ausschließende Wirkung haben können. „Das betriebliche Qualitätsmanagement muss daher unbedingt um ein Haftungsmanagement ergänzt werden“, rät Experte Schaeben.

Die Implementierung eines Haftungsmanagements mit eigenem Personal war bisher für kleinere und mittlere Betriebe allerdings viel zu kostenintensiv. Das ist ein Grund, warum es sich bisher nur Großbetriebe leisten konnten. Für die vielen mittelständischen Unternehmen war ein Haftungsmanagementsystem daher unerschwinglich. Ein System zum „Zukaufen“ gab es bisher nicht. Die SDI hat diesen Zustand beendet und bietet allen Unternehmen eine Alternative als externe Dienstleistung speziell für Druckereien und Metall verarbeitende Betriebe an. Es sei das erste Haftungsmanagement, das einfach „zugekauft“ werden kann und für jedes Unternehmen bezahlbar sei.

Anhand eines juristischen Leitfadens werden technische Verträge des Betriebes,
wie Qualitäts-Sicherungs-Vereinbarungen, Rahmenverträge,
Konsi-Lagerverträge oder Geheimhaltungsvereinbarungen, auf offene oder verdeckte Haftungsregelungen und ihre Deckung in den  Rechtsversicherungen untersucht, angepasst oder erstellt. Voraussetzung für die Erstellung des Haftungsmanagement-Systems ist eine Betriebsbesichtigung, die Überlassung der repräsentativen Betriebs-„Literatur“, also etwa der Bestellungen, Auftragsbestätigungen, AGB, QSV oder sonstiger technischer Verträge, die überprüft werden sollen. „Gerade die Überprüfung technischer Verträge zwischen Lieferant, Druckerei und Kunden gewinnt bei der Prävention zunehmend an Bedeutung“, so Schaeben.

Inklusive zum Kauf des Handbuchs Haftungsmanagement gibt es eine anwaltliche Erstberatung. „Der beste Versicherungsschutz taugt nichts, wenn der Unternehmer nicht die Dinge beherzigt, welche wir in unserem Kompendium zusammengefasst haben“, sagt SDI-Vorstand Schaeben und versichert: : „Das Handbuch Haftungsmanagement der SDI kann sich jeder Betrieb leisten – einen ungesicherten Schadensfall nicht.“

Die wichtigsten Produktionsrisiken in der Druckindustrie im Überblick

Abstoßen. Vor dem Weiterdruck wird das Papier zu lange zwischengelagert.
In der Weiterverarbeitung wird die Druckfarbe abgestoßen. Das gleiche Bild
ergibt sich bei Zugabe eines ungeeigneten Trockners.

Stabilisatoren. Die Stabilisatoren in der Druckfarbe sind trocken beigemischt
statt eingemischt worden. Die Pigmente wandern, die Farbe kippt.

Lichtbeständigkeit. Druckfarbe mit Lichtbeständigkeitsfaktor 4 wird verwendet
anstelle von Druckfarbe mit Lichtbeständigkeitsfaktor 7. Die verblassenden
Druckerzeugnisse sind unverkäuflich.

Maschinen und Anlagen. Druckmaschinen werden fehlerhaft gesteuert, weil
Multilayer-Leiterplatten fehlerhaft durchkontaktiert wurden, SMDs fehlerhaft
aufgebracht wurden oder der Platinenlack bei hohen Umgebungstemperaturen
in der Werkstatt „fließt“.

Lack. Lacke werden durch fehlerhaft angebrachte UV-Lampen in der Anlage
nicht ausgehärtet und kleben.

Druckwalze. In der Walzen-Kupferschicht sind Blasen; der Walzenlauf ist
exzentrisch. Die Druckergebnisse sind mangelhaft.

Wasserstoffversprödung. Aus Anlass einer Wartung, Reparatur oder Überholung einer Druckanlage werden wasserstoffversprödete Schrauben verwendet. Die Schraubenköpfe scheren ab, die Maschine wird instabil und läuft unrund.

Farbverarbeitung. Die Druckfarbe wird im Sommer bei fehlerhafter Umgebungstemperatur verarbeitet. Die Farbsättigung ist unzureichend.


www.sdi-online.de

Inhalt Heftarchiv